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Knallblauer
Sausewind
Tuning-Test Smart Cabrio Rusconi & Ulz: Ein offener Smart mit 78 PS inklusive
Umbau für rund Fr. 50 000.-: Rusconi & Ulz hat auf Kundenwunsch gehandelt,
und wie!
AR-TEST-TRAM

Eyecatcher: Der auffällig lackierte Smart mit umfangreichem Anbaukit zieht die
Blicke von Passanten auf sich.
Volle Aufmerksamkeit wird demjenigen zuteil, der mit dem knallblauen Smart-Cabrio
des Tuners aus Chur vorfährt. Motorsound, Optik, Räder und Interieur ziehen
automatisch die Blicke von Passanten auf das knapp Fr. 50 000.- teure Spassmobil.
Der Besitzer liess den Veredler aus dem Vollen schöpfen. Dieser spielte sein
Know-how aus und verbaute hochwertige Komponenten namhafter Anbieter. Ein Chiptuning
des bekannten Tuners Sportec sorgt für mehr Leistung. Statt 45 kW/61 PS (bei
5250/min) des Basistriebwerks im Modell Smart Cabrio & Pulse stehen nach der
Kur 57,5 kW/78 PS (bei 5070/min) für sportlichere Gangart zur Verfügung.
Das maximale Drehmoment wuchs um satte 47 Nm auf 135 Nm. Es liegt mit 3200/min deutlich
höher als beim Serientriebwerk (2250/min). Im Fahrbetrieb äussert sich
dies jedoch nicht negativ, da mit dem sequentiellen 6-Gang-Getriebe im optimalen
Drehzahlband gefahren werden kann.
Und tschüss
Aus dem Stand bis 100 km/h sprintet der getunte Smart dem Serienauto davon: 16,1
statt 17 s. Das Handicap der Breitreifen, die naturgemäss über mehr Rollwiderstand
verfügen, dem in einem höheren Drehzahlbereich «verschobenen»
Drehmomenthöchstwert und das wegen der Ausstattung etwas angestiegene Gewicht
(+ 30 kg) manifestieren sich bei den Elastizitätsmessungen. In den unteren Geschwindigkeitsbereichen
- wenn der Lader noch nicht den vollen Druck aufgebaut hat - knöpft der Serien-Smart
dem Getunten ein paar Zehntelssekunden ab. Ab etwa 60 km/h übertrumpfen aber
die trainierten Muskeln des modifizierten Dreizylinders die Werte des Serienautos.
Für den Zwischenspurt von 80 auf 120 km/h im 5. Gang benötigt der getunte
Smart 11,6 s. Sein Serienbruder lässt sich mit 17,1 s deutlich mehr Zeit.
Prädikat lohnenswert
Wer gerne rassig unterwegs ist, sollte sich den Zukauf der Mehr-PS überlegen.
1200 Franken für das Chiptuning darf als preiswert eingestuft werden, zumal
die Geschwindigkeitslimitierung bei 135 km/h aufgehoben wird und der Zweisitzer knapp
160 km/h rennt (Tacho bis 200 km/h, Kostenpunkt Fr. 555.-). Der verbaute Edelstahlauspuff
mit Stahlkatalysator schlägt mit Fr. 1410.- zu Buche. Der Verbrauch steigt nach
dem Tuning nur marginal an. Im Test ermittelten wir einen Schnitt von 6,2 gegenüber
5,9 L/100 km der Serienausführung. Der Maximalverbrauch beträgt 7,1 statt
6,9 L/100 km.
Volles Programm
Auch bei den Optikteilen hat Rusconi & Ulz auf Bewährtes zurückgegriffen.
Frontspoiler (Fr. 456.-), Seitenschweller-Zusatzverkleidungen (je Fr. 376.-), Alu-Schalthebel
(Fr. 150.-), Alu-Pedalsatz (Fr. 149.-) stammen vom bekannten Mercedes-Benz-Tuner
Brabus. Auch das Lenkrad mit Schaltwippen (Fr. 1990.-) für die Gangwahl stammt
vom deutschen Spezialisten. In Verbindung mit einer elektronischen Schaltzeitverkürzung
(der Automatikmodus wurde lahm gelegt, Fr. 500.-) kommt richtiges Formel-1-Feeling
auf. Die Wippen am Lenkrad sind optimal platziert. Bei Bedarf lässt sich das
sequenzielle 6-Gang-Getriebe auch konventionell durch Antippen des Ganghebels nach
vorn und hinten bedienen.
Das neu gegründete Tuninglabel STC der Firma Smart-Tec Car Concept AG, an der
Rusconi&Ulz beteiligt ist, steuerte die im Zweiteiler-Look gehaltenen einteiligen
16-Zoll-Räder bei. Der Radsatz «Smarti» kostet Fr. 2950.-. Auch
dreiteilige Räder von Work sind erhältlich (Fr. 4990.-). In einer anderen
Liga «spielt» der getunte Smart punkto Fahrdynamik: Die Breitreifen lassen
dank der besseren Haftung höhere Kurvengeschwindigkeiten zu; die massive Untersteuertendenz
ist zwar nicht wegradiert, aber deutlich weniger ausgeprägt. Bei Lastwechsel
zeigte sich der Testwagen, der über ein ausschaltbares Trust-Plus verfügte
(Stabilitätskontrolle mit Eingriff in die Motorelektronik, Fr. 200.-), recht
giftig. Wegen der indirekten Lenkung (vier Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag)
und des kurzen Radstandes lassen sich Drifts nur schwerlich beherrschen.
An die Motorleistung angepasst hat der Tuner die Bremsanlage. Vorne sind grössere
Bremsscheiben von Bremsa (Durchmesser 27,6 cm, Fr. 596.-, Beläge Fr. 198.-)
eingebaut. Auch innen glänzt die veredelte Version. Eine Komplettlederausstattung,
passend zur Wagenfarbe, kostet Fr. 3680.-. Wie Rusconi & Ulz beweist, sind auch
dem Smart-Flitzer praktisch keine Grenzen punkto Individualität gesetzt. Das
umfassend veredelte Cabriolet zeigt die Möglichkeiten auf, die ein entsprechendes
Budget eröffnet.
Ausgabe Automobil Revue 28/2001
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